Auswertung · Lesedauer rund 18 Minuten
Diese Auswertung folgt einem einzigen Spurenelement durch den Körper: von der Aufnahme im Dünndarm über die Speicherung im Kolloid bis zu den Rezeptoren im Zellkern. Dazu Tabellen mit Gehalten je Portion, die Herkunft des Referenzwerts und die drei zugelassenen Angaben im Originalwortlaut.
Jod ist ein Halogen mit der Ordnungszahl 53. Im menschlichen Organismus kommt es fast ausschließlich in ionischer Form als Jodid vor und erfüllt dort genau eine bekannte Aufgabe: Es ist Baustoff der beiden Schilddrüsenhormone. Kein anderes Element lässt sich dafür einsetzen, und keine Stoffwechselreaktion kann es herstellen. Alles, was der Körper dafür braucht, stammt aus Nahrung und Getränken.
Aufgenommen wird Jodid rasch und fast vollständig im oberen Dünndarm. Von dort gelangt es ins Blut, wo es nur wenige Stunden verweilt: Ein Teil wird von der Schilddrüse abgefangen, der Rest verlässt den Körper über die Nieren. Aus dieser kurzen Verweildauer folgt, dass die Nierenausscheidung im 24-Stunden-Urin als Maß für die Zufuhr auf Bevölkerungsebene herangezogen wird.
Der gesamte Jodbestand eines Erwachsenen wird auf 10 bis 20 Milligramm geschätzt — eine winzige Menge, die in einer Streichholzkopfgröße Platz fände. Etwa drei Viertel davon liegen in der Schilddrüse, der Rest verteilt sich auf Blut, Speicheldrüsen, Magenschleimhaut und Brustdrüsengewebe. Diese Nebenstandorte besitzen denselben Transporter wie die Schilddrüse, geben das Jodid aber wieder ab, statt es einzubauen.
Das Verhältnis zwischen Bestand und Tageszufuhr ist bemerkenswert: Bei 15 Milligramm Gesamtbestand und einer Zufuhr von 200 Mikrogramm am Tag entspricht die Tagesration etwa einem Fünfundsiebzigstel des Vorrats. Der Körper arbeitet hier also mit einem großen Puffer und einem kleinen Durchsatz.
Jodverbindungen sind gut wasserlöslich. In der Erdgeschichte hat das dazu geführt, dass Niederschlag und Schmelzwasser sie aus den oberen Bodenschichten ausgewaschen und in die Ozeane getragen haben. Besonders betroffen sind Landschaften, die von eiszeitlichen Gletschern überformt wurden, sowie Gebirgsregionen und deren Vorländer. Meerwasser enthält heute rund 50 bis 60 Mikrogramm Jod je Liter, Binnenlandquellen oft nur einen Bruchteil davon.
Pflanzen nehmen auf, was der Boden anbietet. Getreide, Kartoffeln und Gemüse aus mitteleuropäischem Anbau tragen daher rechnerisch nur wenig zur Versorgung bei. Die Nahrungskette holt den Unterschied an zwei Stellen auf: bei Meeresfischen und Meeresfrüchten, die Jod aus dem Wasser anreichern, und bei tierischen Erzeugnissen aus Betrieben, deren Futtermittel ergänzt werden.
Zwischen dem Jodid im Blut und einem einsatzbereiten Hormonmolekül liegen mehrere klar unterscheidbare Vorgänge. Sie laufen alle in oder an der Follikelzelle ab, jeweils an verschiedenen Membranseiten.
An der dem Blut zugewandten Seite der Follikelzelle sitzt ein Transportprotein, das gleichzeitig zwei Natrium-Ionen und ein Jodid-Ion ins Zellinnere befördert. Die Energie dafür liefert das Natriumgefälle, das eine Ionenpumpe aufrechterhält. Auf diese Weise erreicht die Konzentration in der Zelle ein Vielfaches des Blutwerts — ein Anreicherungsverhältnis, das je nach Versorgungslage zwischen etwa 20:1 und 40:1 liegt.
An der gegenüberliegenden Membranseite, dort wo die Zelle an das Kolloid grenzt, wartet ein Enzym namens Thyreoperoxidase. Es oxidiert das Jodid mithilfe von Wasserstoffperoxid und hängt das Ergebnis an Tyrosinreste des Thyreoglobulins. Je nachdem, ob ein oder zwei Jodatome angelagert werden, entstehen Monojodtyrosin oder Dijodtyrosin.
Dasselbe Enzym verknüpft anschließend zwei dieser jodierten Bausteine miteinander. Aus zwei Dijodtyrosin-Einheiten wird Thyroxin mit insgesamt vier Jodatomen, aus einer Kombination von Mono- und Dijodtyrosin entsteht Trijodthyronin mit drei. Beide bleiben zunächst am Trägerprotein hängen und lagern im Kolloid — der Vorrat, der den Bedarf mehrerer Wochen abdeckt.
Auf das Signal der Hirnanhangdrüse hin nimmt die Follikelzelle Kolloid zurück in ihr Inneres, spaltet das Trägerprotein enzymatisch auf und gibt die Hormone an das Blut ab. Etwa 80 bis 100 Mikrogramm Thyroxin verlassen die Drüse pro Tag. In Leber, Niere, Muskulatur und Nervengewebe entfernen Enzyme dann gezielt ein Jodatom und erzeugen daraus das fester bindende Trijodthyronin.
Schilddrüsenhormone wirken nicht wie ein Schalter, der etwas an- oder abstellt. Sie binden im Zellkern an Rezeptorproteine, die selbst an bestimmten Abschnitten der Erbinformation sitzen, und verschieben dort das Ablesemuster: Manche Gene werden häufiger abgelesen, andere seltener. Was daraus folgt, hängt vom Gewebe ab, in dem das geschieht.
Neuronen und Astrozyten besitzen ein eigenes Enzym, das Thyroxin direkt vor Ort in Trijodthyronin umwandelt — das Gehirn stellt sich seinen Bedarf also weitgehend selbst her, statt ihn aus dem Blut zu beziehen. Zu den vom Hormon beeinflussten Genprodukten gehören Bausteine der Myelinscheiden, Proteine des Zytoskeletts und Enzyme des Neurotransmitterstoffwechsels.
Weil die Jodatome der Baustoff dieser Hormone sind, führt die EU-Liste zu Jod auch eine Angabe zur geistigen Leistung:
Im übrigen Körper beeinflusst Trijodthyronin, wie viele Mitochondrien eine Zelle unterhält, wie aktiv die Natrium-Kalium-Pumpe an ihrer Membran arbeitet und welcher Anteil der eingesetzten Energie als Wärme frei wird. Der Ruheumsatz — jene Energiemenge, die ein Körper in völliger Ruhe verbraucht — liegt bei Erwachsenen je nach Muskelmasse und Körperbau bei etwa 1 300 bis 1 800 Kilokalorien am Tag.
Angaben je 100 Gramm sind für den Alltag oft unhandlich, weil kaum jemand in dieser Einheit isst. Die folgende Tabelle rechnet deshalb auf haushaltsübliche Portionen um und stellt daneben, welchen Anteil am Nährstoffbezugswert von 150 µg die jeweilige Portion rechnerisch abdeckt.
| Lebensmittel | Portion | Jod je Portion | Anteil am Bezugswert |
|---|---|---|---|
| Schellfisch, gegart | 150 g | ca. 365 µg | ca. 243 % |
| Seelachs, gegart | 150 g | ca. 300 µg | ca. 200 % |
| Kabeljau, gegart | 150 g | ca. 180 µg | ca. 120 % |
| Miesmuscheln | 100 g | ca. 130 µg | ca. 87 % |
| Jodiertes Speisesalz | 1 g | ca. 20 µg | ca. 13 % |
| Kuhmilch | 200 ml | ca. 22 µg | ca. 15 % |
| Hühnerei | 1 Stück (60 g) | ca. 10 µg | ca. 7 % |
| Schnittkäse | 30 g | ca. 6 µg | ca. 4 % |
Gerundete Orientierungswerte. Fanggebiet, Futtermittel und Verarbeitung lassen die tatsächlichen Gehalte deutlich schwanken.
Auf Verpackungen begegnet man mehreren Zahlen, die leicht verwechselt werden. Die Prozentangabe in der Nährwerttabelle bezieht sich auf den Nährstoffbezugswert, eine reine Etikettiergröße für Erwachsene. Fachgesellschaften nennen daneben eigene Referenzwerte, die nach Alter und Lebensphase gestaffelt sind. Und schließlich gibt es eine Obergrenze für die gesamte Tageszufuhr aus allen Quellen.
| Bezugsgröße | Wert je Tag | Grundlage |
|---|---|---|
| Nährstoffbezugswert für die Etikettierung | 150 µg | Anhang XIII, Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 |
| Referenzwert Erwachsene | 180–200 µg | Empfehlung der Fachgesellschaften im deutschsprachigen Raum |
| Tolerierbare Gesamtzufuhr Erwachsene | 600 µg | Bewertung auf EU-Ebene, alle Quellen zusammen |
Schwangere, Stillende, Kinder sowie Personen mit einer Schilddrüsenerkrankung haben abweichende Bezugswerte. Diese Frage gehört in die ärztliche Sprechstunde.
Getrocknete Meeresalgen bilden eine eigene Kategorie: Ihre Gehalte reichen von wenigen hundert bis zu mehreren zehntausend Mikrogramm je 100 Gramm und schwanken zwischen Chargen erheblich. Wer sie verwendet, findet die verbindliche Portionsangabe auf der Packung des Herstellers.
Gesundheitsbezogene Angaben dürfen in der Europäischen Union nur verwendet werden, wenn sie in der Liste der zugelassenen Angaben stehen — und zwar in der dort festgelegten Formulierung oder in einer Fassung, die für Verbraucher dieselbe Bedeutung hat. Leucitfeld gibt sie deshalb unverändert wieder, jede für sich und ohne Zusatz.
An eine solche Angabe ist eine Bedingung geknüpft: Sie darf nur für ein Lebensmittel verwendet werden, das mindestens 15 Prozent des Bezugswerts je 100 Gramm beziehungsweise je Portion liefert. Wer eine Packung in der Hand hält, kann also anhand der Nährwerttabelle nachrechnen, ob die aufgedruckte Angabe zulässig ist.
Speisesalz eignet sich als Träger, weil es in fast jedem Haushalt vorkommt und in kleinen, ziemlich gleichmäßigen Mengen verzehrt wird. In Deutschland enthält jodiertes Speisesalz üblicherweise 15 bis 25 Milligramm Jodid je Kilogramm. Die Verwendung ist freiwillig; unjodiertes Salz steht im Handel gleichberechtigt daneben, und verarbeitete Erzeugnisse müssen es in der Zutatenliste ausweisen.
Ein Teil davon, ja. Jodid ist wasserlöslich und geht beim Kochen in die Flüssigkeit über; wird das Kochwasser weggeschüttet, verschwindet es mit. Bei längerem Erhitzen entweichen zudem geringe Mengen über den Dampf. Wer Sud, Brühe oder Bratensaft mitverwendet, hält den Verlust klein. Beim Salzen gilt: spät zugegeben bleibt mehr erhalten als lange mitgekocht.
Er gibt an, welchen Anteil einer Bezugsmenge die angegebene Portion rechnerisch abdeckt — bei Jod also den Anteil an 150 µg. Der Wert ist eine Vergleichsgröße für das Etikett und keine auf die einzelne Person zugeschnittene Empfehlung. Alter, Lebensphase und ärztliche Vorgaben können davon abweichen.
Weil der Wortlaut Teil der Zulassung ist. Eine Umformulierung könnte den Bedeutungsumfang verschieben und wäre rechtlich eine andere Aussage. Aus demselben Grund steht unter jedem Zitat die Fundstelle. Alles, was Leucitfeld darüber hinaus schreibt, ist beschreibende Physiologie ohne den Charakter einer zugelassenen Angabe.
Nach dem Kauf steht dieselbe Auswertung als druckbare Datei bereit, ergänzt um ein Verzeichnis der Jodgehalte nach Lebensmittelgruppe, um Umrechnungshilfen für Portionsgrößen und um die Fundstellen der drei Angaben in der EU-Liste.
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Die Inhalte dieser Webseite sind allgemeine Verbraucherinformation zu einem Spurenelement. Sie geben biologische Zusammenhänge wieder und zitieren den Wortlaut zugelassener EU-Angaben; eine ärztliche Untersuchung, eine Diagnose oder eine auf die eigene Person zugeschnittene Beratung können sie nicht ersetzen. Bei anhaltenden Beschwerden, bei bekannter Schilddrüsenerkrankung, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei gleichzeitiger Einnahme von Arzneimitteln sprechen Sie bitte vorab mit einer Arztpraxis oder einer Apotheke. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Die auf der Verpackung angegebene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden. Solche Erzeugnisse gehören außer Reichweite kleiner Kinder aufbewahrt.
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